Super 8, selbstgemacht und selbst entwickelt
Das Selbstentwickeln von Super 8 Filmen macht Spaß, bringt meistens tolle Ergebnisse und spart außerdem gehörig Kosten. Wie das jeder selber machen kann, möchte ich hier beschreiben.
Eines vorweg: Es ist garnicht schwer, und man kommt schnell zu erstaunlich guten Ergebnissen! Man sollte natürlich nicht erwarten, von Anfang an und ausschliesslich perfekte Ergebnisse zu erzielen, aber ersten erhält man die auch in sogeanannten Profilabors nicht immer, und zweitens leben viele Filme ganz besonders durch (oder trotz) leichter, technischer Mängel.
Je nach Geldbeutel, Bastelwilligkeit und Geduld führen die unetrschiedlichsten Methoden zum Ziel. Alle Methoden machen Spass - also am Besten ausprobieren, welche einem am besten gefällt. :-)
Was man alles braucht
Vorsicht!
Einige Chemikalien in den Entwicklungsprozessen sind sehr giftig und äußerst gefährlich! Es empfiehlt sich unbedingt, Gummihandschuhe, eine Schürze und eine Schutzbrille zu tragen. Beim Ansetzen und offenen Arbeiten ist für gute Belüftung zu sorgen. Formaldehyd, Zyankali, Schwefelsäure und verwandte können ernsthaft und dauerhaft schaden! Man halte sich strickt an sämtliche Sicherheitshinweise und Vorschriften. Für evtl. Schäden kann ich natürlich keine Haftung übernehmen!
Die richtige Chemie
...kann man leider nicht bei Budni kaufen. Auch die Profi-Fotoläden können oft nicht wirklich weiterhelfen oder sind absurd teuer - aber es gibt ja das Internet! Mein Tip ist FotoImpex aus Berlin - die sind sehr günstig, nett, schnell und haben wirklich alles. Am besten lädt man sich gleich deren Katalog runter, der auch gleich das Bestellformular enthät. Auch mit alten, abgelaufenen Chemiesätzen von Ebay habe ich aber schon gute und interessante Ergebnisse erzielt. Generell gilt: Je grösser das Gebinde, desto günstiger wirds; ggf. also lieber 5l als 0,5l kaufen. Zu beachten ist auch, das eine Super 8 Rolle etwa die Fläche von 2,5 normalen 35mm Filmen (36 Bilder) hat - Chemie "für 12 KB-Filme" reicht also nur für 5 Super8-Rollen.
Für Schwarz-Weiss Filme braucht man eines der folgenden Kits. Damit lassen sich alle S/W-Filme wie Kodak Plus-X und Tri-X, Foma, Svema, Agfa Isopan und Retro-X entwickeln. Auch Kodachrome-Filme (sogar die ganz alten K-11 Filme von vor 1962) lassen sich so zu S/W-Filmen machen!
- Foma Chemiesatz für s/w Umkehr-Entwicklung FP R100 (€19,95 bei Wittner Kinotechnik oder unter Nr. FO990 bei FotoImpex), €19,99 für vier S8 Kassetten
- Das Tetenal SW-Dia-Kit, das leider nicht mehr hergestellt wird. Man findet es aber noch bei Ebay oder Foto Brenner (anrufen)
- Kodak T-Max S/W-Film Umkehrentwicklersatz (Nr. KOUKS bei FotoImpex), kostet absurde €49,- und reicht nur für vier S8-Kassetten.
- Das Entwicklungskit für den Agfa Scala Film In der freien Wildbahn ist es mir noch nicht begegnet, aber bei den Vertragslaboren nachfragen könnte sich lohnen.
- Auch selber ansetzen (hier bewährte Rezepte der Super8Site) ist eine Möglichkeit. Das Beschaffen der Rohchemikalien ist dank paranoider EU-Gesetze allerdings ein anstrengendes Unterfangen geworden... dafür aber unschlagbar günstig! Perfektionisten mit Apotheker in der Familie oder sonstwie unbeschränktem Zugriff auf Chemikalien können sich ggf. hier das optimale Rezept raussuchen.
Für Farbfilme ist eigentlich nur E6 Chemie geeignet, in der sonst Dia-Filme entwickelt werden. Ich hatte Erfolg mit verschiedensten Super-8 Filmen wie dem Ektachrome 160, Agfa (Chrome, Moviechrome, 40 und 160 ASA), Revue, Fuji, Porst, Perutz und Kahl gehabt. Farbverschiebungen sind unvermeidlich, treten in der Regel aber eher in stylischem als störendem Rahmen auf. Lediglich der berühmte Kodak K40 lässt sich naturgemäß nicht selbst entwickeln (wozu auch, ist ja im Preis inbegriffen).
Es eignen sich generell alle E-6-Kits. Diese gibt es als 6-Bad oder 3-Bad Versionen, letztere ist etwas teurer aber viel einfacher zu handhaben. Die Tetenal Colortec Kits eignen sich prima (5 Liter etwa €60,-, ausreichend für gut 24 S8-Kassetten) oft findet man aber bei Ebay auch günstigere Angebote aus dem Ausland.
Ich empfehle, den Farbentwickler (Zweitentwickler) dieser Kits etwa 10% stärker anzusetzen als vorgegeben, wodurch er einen Tick grüner entwickelt - alle alten Farbfilme scheinen sonst alle zu Magentastichen zu neigen.
Das richtige Werkzeug
Minimal benötigt man folgende Hilfsmittel:
- Schürze, Gummihandschuhe und Schutzbrille
- einen großen Trichter zum Zurückfüllen der Chemie
- einen Messbecher mit feiner Skala, idealerweise eine Mensur
- einen Plastiklöffel zum umrühren der angesetzten Chemie
- Einen Timer oder eine Eieruhr, am besten sekundengenau
- Lichtdichte und gut verschließbare Flaschen für Chemie, die sich deutlich kennzeichnen lassen
- Protectan-Spray zum erhöhen der Lebensdauer der angebrochenen und angesetzten Chemie
- Ein genaues Thermometer, das bis 45°C messen kann (Achtung: elektronische Fieberthermometer registrieren nur Temperatursteigerungen und sind somit ungeeignet!)
- Ein paar Wäscheklammern und evtl. einen Fön zum trocknen
- Einen Hammer oder eine Flachzange zum Öffnen der Kassette
- Eine geeignete Entwicklungsdose, die man sich ggf. für wenige € leicht selber bauen kann
Der richtige Ort
Man braucht einen Raum, den man absolut verdunkeln kann. Eine Bettdecke empfiehlt sich nur für geübte Selbstentwickler und birgt ein hohes Risiko, den Film zu zerstören. Licht ist der größte Feind des Selbstentwickelns! Außerdem geht einem dadrunter schnell der Sauerstoff aus, so ein Film ist erstaunlich lang. Alle unten beschriebenen Schritte vom Öffnen der S8-Kassette bis zum schliessen des Entwicklungsbehälters müssen natürlich in absoluter Dunkelheit sicher von der Hand gehen. Üben mit einem geopferten Ablauffilm ist also ein Muss.
Vorteilhaft ist auch ein Wasseranschluß. Hat man diesen nicht, sollte man sich eine große Plastikwanne besorgen, in der man mit heißem Wasser die Flaschen temperiert.
Das Öffnen der Super8-Kassette
Zum "knacken" der Super8-Kassetten lege ich diese - natürlich in absoluter Dunkelheit - mit einem kleinen Holzbrett auf den Fußboden und schlage ziemlich beherzt mit einem Hammer auf die Kante der Rückwand, die den Wickelkern zeigt. Sobald man die Schweissnaht getrennt hat, sollte man gut aufpassen, das der Film aufgewickelt bleibt. Gegebenenfalls die Kassette mit einer Flachzange weiter aufhebeln, bis sich der Kern entnehmen lässt. Ich fixiere sein Ende immer sofort mit zwei Wäscheklammern. 15 Meter Film die seit 15 oder 30 Jahren auf einen 1,5 cm Kern gewickelt ruhen können nämlich sehr widerspenstig werden. :-)
Das herausziehen des Films aus der Kassette empfiehlt sich nicht. Der Film reisst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, und so entwicklet man versehentlich nur 10m oder muss gar im stockdunklen unentwickelten FIlm kleben... das ist nix.
Die eigentliche Entwicklung: Preiswerte HT-Rohre, Wäscheleine und ein bisschen ZeitNun wird der Film - ebenfalls in absoluter Dunkelheit - in die gewählte Entwicklungsvorrichtung eingelegt. Zur Wahl stehen:
Nun muß man im wesentlichen nur noch den Anweisungen des E-6 Kits folgen. Am Besten setzt man die Chemie frisch direkt vorm Entwickeln mit gut 40°C heißem Wasser an und stellt die Flaschen griffbereit in ebenfalls 40°C heißes Wasser - die Chemie küht dann in der Rolle etwa auf die geforderten 38°C ab. Christian Zahn hat zum perfekten Umgang mit E-6 Chemie eine hervorragende Anleitung geschrieben, die prinzipiell auch für den HT-Rohr-Entwickler gilt. Man erreicht aber auch mit weniger Präzision erstaunliche Ergebnisse. Für den HT-Rohr-Entwickler benötigt man 1 Liter Chemie, beim Zwischenwässern können auch zwei mal zwei Liter Befüllung nicht schaden. Am besten verschließt man die Schläche an den Enden während der Rotation mit einem kleinen Stopfen (ich nehme zwei alte AA-Batterien), damit kein Licht einfällt und keine Chemie auf den Tisch schwappt. Zum Ein- und Ausgießen der Chemie entfernt man beide Stopfen, hät die Schläche mindestens 90° geknickt und gießt am rechten Ende mittels Trichter ein, am linken Ende durch senkrecht stellen der Röhre aus - ganz sauber und einfach! Die Schlußwässerung vorm Stabibad mache ich mit geöffneter Röhre in der Dusche - Durchlaufwässerung verspricht haltbare Filme! Nach dem Stabibad wird die innere Röhre zum trocknen in einen Staubfreien Raum gestellt. Ggf. kann man mit dem Fön nachhelfen, riskiert aber eingebackenen Staub... Nun ist es geschafft! Der Film wird (mit dem Anfang beginnend) auf eine 15m Spule gewickelt und kann sofort projiziert werden. Zur Belohnung hier noch ein schöne Übersicht verschiedenster S8-Filme. Man kann einfach alles sammeln :-) |
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